Nilaveli (5)

Mit dem Bezahlen ist es hier manchmal nicht so einfach.
Die Geldscheine reichen von 20 bis 5000 Rupien, also von 6 Cent bis 15 Euro. Schnell wird das Portemonnaie so zum bunten Blätterwald. Kompliziert wird es, wenn die Sri Lanker dann auf die 5000-Rupien-Scheine nicht herausgeben können oder wollen. 
Und richtig böse wird es, wenn man sieben Nächte lang zwei Cabanas in Nilaveli anmietet, sich das leckere Lion-Bier von der Beach-Bar immer auf "Room Three" (da wohnen die Kinder) anschreiben lässt, von Deutschland aus vorab nix bezahlen konnte und man dann irgendwann diese stramm sechsstellige Summe bezahlen möchte.
Soll man den zwei Kilometer entfernten Geldautomat hier um die Summe bitten und die Geldscheine anschließend in Koffern zum Hotel tragen? 
Glücklicherweise hatten wir schon gestern früh dem Chef hier angedeutet, dass wir unseren Deckel gerne begleichen würden.
Mit Karte? Ja, das ginge, aber erst abends, denn bis dahin hätte man ein Kartenlesegerät organisiert.
Am Abend standen wir dann brav beim Chef. Nun ja, hieß es - man würde nun erstmal die Rechnung erstellen. Das wird hier immer sehr liebevoll von Hand und in lateinischer Schrift erledigt. Dauert.
Wir zeigten uns heute Morgen also wieder beim Chef. Die Rechnung sei nun fertig. Zur Kartenzahlung würde man uns jedoch zum Haus des Bruders des Chefs fahren.
Während die Familie am Ozean lag, übernahm der Vater diesen Job und freute sich auf eine gemütliche Fahrt auf der Rückbank eines Tuk-Tuks zum ominösem Kartenlese-Bruder.
Der Fahrer jedoch stieg auf ein Moped und deutete nach hinten.
"Äh", stammelte der Vater international und versuchte im Folgenden zu erläutern, dass er - im 48.Lebensjahr stehend - noch nie auf einem moped-ähnlichem Gefährt gesessen, sich vielmehr immer schon gefragt habe, wie es insbesondere die Beifahrer derselben schafften, dort während der Fahrt nicht herunterzufallen.
Alle Bedenken mussten auf Englisch geäußert werden - eine gewisse Anspannung verhinderte zudem geschickte Wortwahl, Artikulation und Grammatik. 
Der Fahrer selbst konnte Englisch leider nur maxial rudimentär. So konnte der hier sehr typische und schon hundertmal durchgeführte Dialog ("Where are you from?" - "Germany") erst erfolgreich beendet werden, als das Moped schon 5 Minuten über Schlammpisten und Straßen bretterte.
Wie hielt sich der Vater fest? Sah er cool aus? Lässig ohne Helm und Schoner die Freiheit Südasiens einatmend?
Nein. Er klammerte sich an seinen Fahrer wie ein Äffchen an seine Mutter, zahlte beim Kartenlese-Bruder brav die astronomische Summe und klammerte sich auf der Rückfahrt wieder um den Bauch des Fahrers.
Der zeigte vorher noch, dass man sich durchaus auch irgendwie anders am Moped festhalten kann, doch diese Haltung - so schien es dem Vater - sei eher was für den Zirkus Roncalli. Lieber scheiße aussehen, aber nicht runterpurzeln...
Heute war sonst wieder ein komplett ereignisarmer Strand-Tag. Wie immer hier zogen gegen 16:30 Wolken auf. Und wie immer hier regnet es an ungeraden Tagen. Morgen, an unserem letzten Nilaveli-Tag wird es also trocken bleiben. 

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