Ella
Als in Berlin der Karneval der Kulturen quasi an unserer Haustür vorbei lief, da hockten zwei von uns Vieren im Teutoburger Wald.
Gut also, dass in Ella, Sri Lanka, gestern eine Veranstaltung durchgeführt wurde, die dem Berliner Karneval nahezu aufs Haar gleicht. Es gibt eigentlich nur fünf Unterschiede:
1) Der Umzug war etwas kürzer, lief aber dennoch zwei Stunden an unseren Nasenspitzen vorbei.
2) Zwischen den einzelnen Gruppen liefen auch fünf ausgewachsene Elefanten mit insgesamt drei Stoßzähnen mit. Sie waren geschmückt und glücklicherweise entspannt drauf, obwohl es um sie herum überall zischte und trommelte. Für den Fall einer plötzlich aufziehenden Unentspanntheit der Elefanten lief aber hinter jedem der Tiere ein Typ mit Gewehr. Nicht weiter drüber nachdenken, höchstens darüber, wieviele verschiedene Aktionsbündnisse in Berlin die Teilnahme von Elefanten am Karneval der Kulturen zu verhindern wüssten.
3) Alle Gruppen kamen aus Sri Lanka (*kicher*).
4) Statt sich in Kreuzberg von rüpeligen Rentner*innen von den besten Plätzen verdrängen zu lassen, saßen wir in zwei Meter Höhe in der ersten Reihe eines Restaurants. Auf Elefanten-Höhe sozusagen. Und wir genossen das Spektakel natürlich.
5) Über unserer Loge war ein Dach, von dem herunter mit zunehmenden Abend immer mehr nackte Füße baumelten. Seltsamerweise klackerten von oben dann auch immer kleine Steinchen auf unseren Tisch. Waren das überhaupt Steinchen oder handelte es sich um steinharte sri-lankische Fuß-Hornhaut? Wir hielten jedenfalls die Hände über die Getränke.
Heute früh ging es dann zum wahrscheinlich sportlichsten Teil der Reise rein in die Berge.
Der Ort Ella liegt auf 1050m, also ungefähr auf Brocken-Level. Das Ziel der Wanderung war der Ella-Rock auf 1350m Höhe. Klingt vielleicht nicht so dramatisch und auch der Reiseführer täuschte mit sanften Adjektiven an, dass der Aufstieg zum Ella-Rock im Prinzip an Lächerlichkeit nicht zu überbieten sei.
Doch nach dem ersten Weg auf den Schienen (völlig normal hier: wenn ein Zug kommt, geht man einen Schritt zur Seite - die Europäer früher, die Locals wesentlich später) bogen wir ab zum doch sehr steilen Aufstieg. Zunächst ging es durch hohe Gräser, später durch Teeplantagen und schließlich nur noch über Steine und Rutsche-Sand.
Das ist ja immer so mit Bergwanderungen: vorher nimmt man sie nicht ernst und danach erinnert man sich nur noch an die tolle Aussicht. Wie spürbar schlecht gelaunt man beim Auf- und Abstieg war, wird dann gerne mal verklärt.Die Frage zum Beispiel, ob es eher lustig oder eher brenzlig ist, unter einem Ast durchzulaufen, auf welchem in zwei Meter Höhe ein Affe hockt, der einen bereits ernsthaft fixiert und bestimmt toll springen und beißen kann, beantwortet man im Nachhinein vielleicht auch anders als in der Sekunde unter dem Affen.
Abschluss-Gag: Ella kaufte sich nach dem Besuch auf dem Ella-Rock in Ella einen Rock.
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