Berlin - Frankfurt

Abends um 20:20 Uhr sollte unser Flug von Frankfurt nach Mumbai starten. 
Heute, so der Plan, sollten wir um 11:28 vom Berliner Hauptbahnhof mit dem Flix-Train in eben jenes Frankfurt fahren. Schön konservativ geplant, mit satten fünf Stunden zwischen Ankunft und Abflug in Hessen.
Dann aber trägt sich Schlimmes zu:
Info gegen 11:00 Uhr: Der Zug fährt erst um 11:58. Bisschen Nase gerümpft. Aber okay. Das kommt vor.
Info gegen 11:30 Uhr: Der Zug fährt erst um 12:58. Okay, McDonald's. Wie immer lecker.
Info gegen 12:45 Uhr: Der Zug fährt erst um 13:18 Uhr. Langsam steigt Ärger auf. Vor allem auf die Scheiß-Acht am Ende jeder gelogenen Abfahrtzeit. Irgendwann um xx:x8 wird also dieser dämliche Zug fahren.
Dann der Plan: Auf dem Nebengleis wird um 13:36 ein ICE nach Frankfurt fahren. Laut Bahn-App allerdings "außerordentlich hoch ausgelastet". 
Das "Außerordentlich" klang für uns, die wir bislang nur "hoch ausgelastete" Züge, aber keineswegs "außerordentlich hoch ausgelastete" Züge kannten, außerordentlich beunruhigend. 
13:36 Uhr: Der ICE auf Gleis zwei verlässt außerordentlich mittel ausgelastet den Hauptbahnhof in Richtung Frankfurt. Gute Fahrt. In zwei Minuten fahren wir auch.
13:37 Uhr: Neue Info für unseren Flix-Train. Er wird keinesfalls um 13:38 abfahren können, sondern erst um 13:58. Langsam bricht Panik aus. Von den fünf Stunden in Frankfurt sind nur noch zweieinhalb übrig und genau diese zweieinhalb Stunden sollen wir vor Abflug am Flughafen sein.
Wir nehmen schnell eine alternative Verbindung über Hannover (Abfahrt 13:44) nach Frankfurt in Angriff, weil keiner mehr an die Existenz des Flix-Trains glaubt. Aber der Hannover-Zug hatte nun seinerseits 30min Verspätung und rutschte damit direkt durch unser Zug-Casting.
Aber da: Um 13:53 soll ein ICE direkt nach Frankfurt fahren. Nicht gerade pythagoräisch geschickt auf der Hypothenuse durch Thüringen, aber dafür auf zwei tollen Katheten mit rechtem Winkel und Lokwechsel in Hannover. Die Ankunftszeiten wurden eh immer gruseliger - jetzt ging es nur noch darum, irgendwie nach Frankfurt zu kommen. Der Flug aus Mumbai, das hatten wir inzwischen auch recherchiert, hatte auch schon 75min Verspätung. Okay, wir hatten jetzt schon 150 Minuten.
Und dann wurde es ganz spannend:
Wir verfolgten maximal unentspannt das Schneckenrennen am Berliner Hauptbahnhof zwischen dem Flix (momentan auf 14:28 Uhr) im Untergeschoss des vollkommen überfüllten Hauptbahnhofs und seinem Konkurrenten, dem ICE, der drei Bahnhofsetagen über dem Flix nun auch eine Verspätungen vorzuweisen hatte (14:07 Uhr).
Dann eine seltsame Info: Laut Bahn-App soll Flix nun doch etwas früher, nämlich um 14:11 fahren, während der Katheten-ICE nun auch schon auf 14:10 angesetzt war.
Schwierige Entscheidung. Zur absoluten Fassungslosigkeit unserer Tochter setzte sich tatsächlich um 14:07, also drei schmale Minuten vor Abfahrt des ICE, die Familie in Bewegung Richtung Flix.
Zwei Etagen über dessen Gleis schielten wir herunter. Da war nix. 
Irgendein Kind schrie, dass da auf der elektronischen Tafel immer noch "14:28 Uhr" stehe. Das mit der 8 glaubten wir sofort. Also schnell wieder hoch zum Katheten-ICE.
Kommt er da? Nein. Das ist der nach Köln. Unser Zug hat noch mal ein bisschen Verspätung. Um 14:17 geht's aber bestimmt los.
Und so kam es dann auch. Statt um 11:28 setzten wir uns 169 Minuten später im Bewegung. 
Bis Stresow, also bis kurz vor Spandau. Dort mussten wir nämlich 30min lang andere verspätete und vielleicht auch den ein oder anderen pünktlichen Zug an uns vorbei fahren lassen, von denen einer, der ICE nach Amsterdam dann übrigens in Stendal liegenbleiben sollte. Um 14:45 Uhr, dreißig Minuten vor der geplanten Ankunft in Frankfurt, verließen wir Berlin.
Und statt im Zug entspannt ein Buch zu lesen, switchten wir von App zu App. Schauten, wann wir in Frankfurt ankommen könnten, wo der Flieger aus Mumbai nach Frankfurt gerade ist und überhaupt,  was man so machen kann, wenn das alles schief geht. 
Ganz spannend war der Moment,  als das Flugzeug aus Mumbai, in das wir steigen wollten, mitten über Hanau überholte. Wir fotografierten es traurig.
In Frankfurt stürzten wir zu den Taxis und sagten: "Flughafen. Schnell."
Der Fahrer sagte "alles klar - zehn Minuten" und hielt mit recht progressiver Fahrweise sein Versprechen. Nach zehn Minuten standen wir am Check-In.
 Lahmarsch Google hatte für die Strecke, auf der eine:r von uns aus technischen Gründen unangeschnallt war,  immerhin 18 Minuten vorgesehen.
So. Das Abenteuer ist damit überstanden. Was kann noch kommen? Mücken? Leoparden? Tektonische Ereignisse? Alles egal. Wir haben es geschafft, nach Frankfurt zu kommen. Der Rest ist nur noch Abspann.
Wir fliegen jetzt los.

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